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3

Als der Tag endlich da war, wartete ich schon eine halbe Stunde bevor mein Onkel kommen wollte, vor der Tür in freudiger Erwartung ihn wieder zu sehen. Er begrüßte mich mit einem Lächeln und einem kleinen Kuss auf die Wange. Wir mussten uns beeilen um noch rechtzeitig am Bahnhof zu sein. Als wir dort waren, saßen meine Eltern schon im Zug an einem offenen Fenster und winkten mir zum Abschied noch aus dem Fenster des Zuges zu. Eine Umarmung oder einen Kuss bekam ich nicht. Dass sie mich jetzt mehrere Monate nicht sehen würden, war ihnen anscheinend egal. Mit einem komischen Gefühl im Bauch verließ ich den Bahnhof. Ich war einfach enttäuscht von dieser Lieblosigkeit, die sie mir gegenüber ausstrahlten. An der Hand meines Onkels schlenderten wir zurück zum Auto. Lautlos liefen vereinzelte Tränen über meine Wangen, als ich zusah wie eine Mutter ihre kleine Tochter in den Arm nahm und ihr einen kleinen Kuss auf die Stirn gab.

In diesem Moment kam meine älteste Erinnerung in mir hoch. Sie überfiel mich mit einer solchen Gewalt, dass ich taumelte. Plötzlich spürte ich in meinem ganzen Körper die Kraft der Liebe. Alles brodelte in mir und die Welt vor meinen Augen strahlte in unzähligen Farben.

 Mein Onkel sah mich kurz an, weil ich stolperte, aber er merkte nichts von der Nässe in meinem Gesicht. Ich brauchte einige Minuten um wieder bei vollem Bewusstsein zu sein, doch niemand hatte etwas von meiner vorübergehenden Abwesenheit bemerkt. Auf der Fahrt zurück nach Hause sagte ich kein Wort und war tief in meinen Gedanken versunken. Mit der Frage, ob wir nicht ein Eis essen gehen wollten, holte mich mein Onkel wieder ganz und gar auf den Boden zurück und ich verfiel wieder in mein kindliches Benehmen, indem ich erfreut umherzappelte und das schöne kühle Eis zu der warmen Jahreszeit kaum erwarten konnte. Ich vermied es an diesem Tag andere Menschen zu beobachten, was ich sonst sehr gerne tat. Aber ich hatte Angst davor noch einmal dieses Gefühl in mir zu spüren.

Kann man denn etwas vermissen was man gar nicht kennt? Kann man nicht nur etwas vermissen, was man einmal hatte und jetzt weg ist? Oder reicht es etwas gesehen zu haben oder sich etwas vorzustellen, was vielleicht nicht mal existiert, um es vermissen zu können? Kann man die Liebe vermissen, wenn man sie nie erfahren hat? Ich kann ja nicht sagen, dass ich die Liebe vermisse, denn ich weiß nicht wie es sich anfühlt geliebt zu werden. Vielleicht vermisse ich ja etwas, was auch andere Kinder nicht bekommen, ein anderes Gefühl, was niemand kennt und es nicht gibt, oder noch niemand es gewagt hat es auszusprechen. Erst Jahre später sollte ich erfahren, was es heißt geliebt zu werden.

An diesem Tag, war ich ununterbrochen den Tränen nahe. Ein böser Blick hätte mich zum Weinen bringen können, deshalb entschied ich mich, nicht wie geplant zu Sandra zu gehen, sondern lieber einige Stunden alleine im Stadtpark zu verbringen, der wenigstens noch ein wenig Ähnlichkeit mit meinem so geliebten Wald hatte. Also ich packte mir ein paar Kleinigkeiten zusammen, die ich vielleicht gebrauchen konnte. Das waren mein Plüschhund, eine Packung Kekse als Reiseproviant, ein paar Glasmurmeln und ein kleines Küchenmesser. Alles zusammen packte ich in meinen kleinen Rucksack und machte mich auf den Weg. Meinem Onkel sagte ich nicht was ich tat, er ging sicher davon aus, dass ich mich mit Sandra oder anderen Freunden treffen würde. Auf dem Weg in den Stadtpark musste ich über die Elbe. Ich liebte diese große Brücke, die man dann immer überqueren musste. In der Mitte blieb ich für eine Weile stehen und beobachtete die Strömung des Wassers durch die Gitterstäbe des Geländers. Es war ein schwüler Sommertag und der sanfte Wind der über die Brücke rauschte war sehr erleichternd. Auf dem Weg in den Park hinein konnte ich oft Schwärme von sich tummelnden Mücken sehen und Pärchen, die verliebt Hand in Hand das schöne Wetter genossen. Ich suchte mir den Platz, wo am seltensten andere Menschen hinkamen und legte mich dort auf die Wiese in die Sonne. Ich genoss die warmen intensiven Strahlen, die so schön heiß auf der Haut prickelten. Nebenbei aß ich ein paar Kekse und spielte mit den Grashalmen. Diese Wärme machte mich müde und bald schloss ich die Augen und schlief ein.

7.7.06 15:43


4

Ich sah meine Mutter wie sie verschwommen direkt vor meinem Gesicht war. Sie sagte ein paar Worte nur, doch ich verstand sie nicht. Alles war wie in einem Nebel, so undeutlich. Ich kannte diese Szene, doch nie war sie so unklar vor meinen Augen vorbeigezogen. Diese Erinnerung, die ich nie vergessen werde, entfernte sich von mir. Ich versuchte nach ihr zu greifen, doch ich verlor sie nur noch mehr dadurch. Pl?tzlich schwenkte das Bild vor meinen Augen um und es wurde wieder klar. Nun sah ich eine bunte Wiese, mit vielen, vielen Blumen und Schmetterlingen. Ich sag mich selbst darauf herumtollen und mit anderen Kinder um Wette laufen und Fangen spielen. Nie war ich so gl?cklich und ausgelassen, wie in diesem Moment des Traumes. Dieses unglaubliche Gef?hl des Gl?ckes durchstr?mte meinen K?rper wie nie zuvor. Ich konnte jede einzelne Zelle in meinem K?rper sp?ren, wie sie gl?hte und sprudelte. Meine Haare stellten sich auf und es durchfuhr mich wie ein Blitz, dieses unbekannte und doch so eindrucksvolles Gef?hl. Niemals mehr wollte ich es missen m?ssen. Niemals mehr wollte ich ohne es weiterleben. Doch ganz pl?tzlich wurde diese Wiese vor meinen Augen getr?bt, es wurde d?ster. Erschrocken ?ffnete ich die Augen und erkannte, dass nur ein kleiner streunender Hund seinen Schatten auf mein Gesicht warf und mich beschnupperte. Das alles verwirrte mich. Dieses eben noch empfundene Gef?hl, der Schreck der pl?tzlichen Dunkelheit auf der Wiese in meinem Traum und die Freude dar?ber einen Hund vor mir stehen zu haben waren einfach zu viel f?r mich. Ich drehte mich zur Seite und setze mich auf, um den Hund zu betrachten und meine verwirrten Gef?hle etwas zu beruhigen. Es war ein kleiner schwarz-brauner Dackel, der mich nun mit gro?en Augen anschaute. Ich holte einen Keks hervor und versuchte den Hund damit anzulocken. Er schien sehr zutraulich zu sein, denn er n?hrte sich sofort und fra? mir aus der Hand und schleckte sie danach noch gr?ndlich ab, damit ihm kein einziger Kr?mel entginge. Ich kraulte den kleinen Hund z?rtlich hinterm Ohr und er sah mich gro??ugig an. Vertr?umt lies ich meinen Blick ?ber die Wiese streifen. Immer noch war ich alleine hier, nur das ich jetzt den Hund als Gesellschaft hatte. Schlie?lich holte ich den Pl?schhund hervor und spielte ein wenig mit den beiden Tieren. Ich hatte meinen Spa? daran zuzusehen, wie der Dackel immer wieder versuchte vor dem Kuscheltier davon zu laufen und ihn dann entt?uscht anstie? als er sich nicht r?hrte.
Diesem Spiel sag ich eine kleine Weile zu, bis ich bemerkte, dass sich der Himmel schon rot f?rbte. Ich beschloss mich langsam auf den Weg zur?ck nach Hause zu machen. Auf dem Heimweg a? ich noch den Rest meiner Kekse, wobei ich es nicht unterlassen konnte die H?lfte der Kekse an den kleinen Hund zu verteilen, der mir auf Schritt und Tritt folgte. Auf der Br?cke stehend beobachtete ich wie die Sonne hinter der Skyline von Magdeburg unter ging. Dann fing ich an mir Gedanken zu machen, was jetzt mit dem Hund geschehen sollte. Ich konnte ihn unm?glich mit nach Hause nehmen. Sp?testens wenn meine Eltern wieder kamen, w?rden sie ihn vierteilen. Aber eigentlich konnte ich es doch wagen meinen Onkel anzubetteln ihn f?r die Zeit der Abwesenheit meiner Eltern bei uns wohnen zu lassen. Mit diesem Entschluss lief ich nun nach Hause.
Als ich zu Hause ankam wies ich den Hund an vor der Haust?r Platz zu machen bis ich wieder herunterkam. Wenn er dann nicht mehr da war, wollte er wohl nicht bei mir wohnen. Als ich die Wohnung betrat musste ich feststellen, dass mein Onkel nicht zu Hause war. Also nutzte ich die Zeit alleine zu Hause und suchte mir ein paar Kleinigkeiten aus dem K?chenschrank die ich essen konnte und normalerweise nie bekam, weil sie ungesund seien. Ein St?ck Schokolade und ein Bonbon waren doch eine gute M?glichkeit mir den Abend ein wenig zu vers??en. Um mir die Zeit zu vertreiben baute ich mir in meinem Zimmer aus B?chern eine kleine Rampe und lies die Glasmurmeln immer herunterrollen. Es machte mir Spa? zu beobachten welche der ungleichgro?en Kugeln als erstes auf dem Teppichboden auf kam. Doch als ich daran die Lust verlor legte ich mich mit meinem Pl?schhund im Arm auf den R?cken, starrte die kahle Decke an und tr?umte von diesem Gef?hl, welches ich vorhin in dem Traum kennen gelernt hatte und ich immer noch etwas in den Gliedern sp?ren konnte. Schlie?lich riss mich das Klacken der Wohnungst?r aus meinen Gedanken. Es musste mein Onkel sein, der wieder nach Hause kam.
31.7.06 23:22





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